Anmeldung

Herr Ullrich und der gepimperte Burgenlandkreis

„Pimp Your Town! Burgenlandkreis“ – staunte ich nicht schlecht über eine kürzlich eingehende E-Mail, mit der ich als Kreisrat aufgefordert wurde, diesem gleichnamigen Verein behilflich zu sein, Schüler an Politik zu interessieren und heranzuführen. Staunen deshalb, weil ich das „pimp“ eben nur von dem bekannten abfälligen Ausdruck „pimpern“ für die sogenannte schönste Sache der Welt kannte. Oha! Soll Pidgin-Englisch oder Kanack-Sprak wohl doch zur Hauptkommunikationsebene der Bundesrepublik werden? Der Leistungsfähigkeit unseres Bildungswesens angemessen? Nun ja, als die zweite, dringendere Einladung kam - wegen bislang mangelnden Engagements aus den Reihen der Kreisräte - meldete ich mich. Es würde immerhin einen ganzen Tag andauern, am Dienstag, den 19. Dezember. Allerdings - solch ehrenwertes Anliegen muß man unterstützen, also Politikverdrossenheit abbauen bzw. gar nicht erst entstehen lassen. Bei immerhin 50 angekündigten Schülern des Burgenlandkreises und so man sein Mandat ernst nimmt. So weit – so mehr oder weniger gut. Bis Samstagnachmittag: Da rief mich die Geschäftsführerin des besagten Vereins aus Isernhagen an, um mir mit deutlichem Unbehagen mitzuteilen, daß

sie mich von der Veranstaltung ausladen müßte, mich bitten, ja nicht zu erscheinen!
Der Verein samt Schülerschaft dürfe unter meiner Teilnahme nicht das Landratsamt betreten, der Landrat würde von seinem Hausrecht Gebrauch machen usw.. Nun gut, ich bin kein politischer Laie, aber gestaunt habe ich doch über diese unverblümte Art des Exempels bundesdeutschen Demokratiealltags und -verständnisses, vor allem gegenüber diesbezüglich noch in theoretischen, also kindlichen Sphären lebenden Schülern. Sozusagen der Ullrich mit der eisernen Hand.

Gratuliere, Herr Ullrich! Das ist ja richtig harte Bildung mit dem Holzhammer.
Da wissen die Jungs und Mädchen gleich, wo er hängt. Untertänigst! Die harte Schule des Lebens. Wie Marx, Engels und Lenin eben schon feststellten, geht nichts über die totalitäre Praxis, die abermillionenfach bewährte. Und wir bewegen uns im Eilschritt dort hin?
Jedenfalls habe ich der armen Frau Dehmel alle Befürchtungen hinsichtlich meiner Teilnahme genommen – man ist ja totalitär erfahren – und andererseits aber doch Mut gemacht, diese Art der demokratischen Praxis hautnah zu thematisieren, gleichzeitig jedoch wenig Hoffnung, daß sie es tun wird. Politik zum Anfassen - aber natürlich nur, wenn diese nicht zu heiß ist. Niemand wird die zarten kindlichen Gemüter mit der Brutalität der Wirklichkeit konfrontieren wollen. Andererseits wird es ein einschneidendes - sagt man nicht Schlüsselerlebnis - für Frau Dehmel und ihre Mitarbeiter sein.
Nun ja, aber für jeden intelligenten Menschen in Deutschland kommt eines Tages dieser Punkt, an dem sich für ihn Fiktion und Wirklichkeit, Lüge und Wahrheit eröffnen und er Farbe bekennen, eine Entscheidung für sich fällen muß. Dann ist nichts mehr so wie es war.

Und das „Pimp Your Town“ hat nunmehr im Burgenlandkreis seine Unschuld verloren?

Ist sozusagen defloriert oder - auf Pidgin - selbst gepimpert?


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